Pictures ©Innovation Yachts

 

Norbert Sedlacek

Nationalität: Österreich

Alter: 58

Abenteurer seit: 1996

Größte Erfolge: Icelimit 2000/2001, The Transat 2004, Vendée Globe 2004/2007 & 2008/2009, Founder Ant Arctic Lab

Interview

In 34.000 Seemeilen einhand, nonstop und ohne Hilfe von außen um die Welt.

Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Projekt gekommen?
Nach meiner erfolgreichen Teilnahme bei Vendée Globe 2009 ist mir die Idee gekommen Yachtbau-Materialien weiterzuentwickeln und wir starteten mit der Entwicklung der Vulkanfaser. 

Wir haben uns die Frage gestellt: „Wäre das ein guter Werkstoff für den Yachtbau?“
Unser Ergebnis ist eindeutig. Sie ist hydrophob, also wasserabweisend, äußerst widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und recycelbar. Also wie geschaffen dafür. 

Um das zu untermauern will ich der Erste sein der von Polarkreis zu Polarkreis durchsegelt. Die größte Herausforderung dabei ist die Nord-West-Passage da dort meistens sehr wenig bis kein Wind herrscht. Daher ist es noch niemandem gelungen diese Strecke ohne Motorunterstützung zu bewältigen. Es hätte einen Reiz der Erste zu sein.  

Um das schaffen zu können haben wir uns für eine 60 Fuß Yacht, einen sogenannten Open60 entschieden. 

Es brauchte viel Erfahrung für dieses Vorhaben da es eine Tortur für jeden Ausrüstungsgegenstand ist. Man muss seine Ressourcen vernünftig managen, damit man es vom Start bis ins Ziel schafft. Je mehr Menschen sagen das geht nicht, umso mehr will ich es schaffen.

Zudem messe ich die Belastung der Luft während der Fahrt. Wo kommt der Schmutz her und was verursacht ihn? Ich will echte Fakten sammeln und wissen wie schlimm die Verschmutzung wirklich ist und wodurch sie erzeugt wird.

Warum segeln Sie einhand? Also alleine?
Das Einhandsegeln ist die Königsdisziplin beim Langstreckensegeln und für mich nicht mehr Stress als mit Crew zu segeln. Ich will wissen ob ich in der Lage bin das zu leisten.

Was sind die größten Herausforderungen?
- Zu zeigen, Dinge die ich erreichen will auch zu erreichen indem ich meine persönlichen Fähigkeiten erweitere. 
- Improvisieren ist das Wichtigste weil notgedrungen Probleme auftreten werden. 
- Die mentale Stärke aufzubringen ins Ziel zu kommen. 

Meine Erfahrung sagt mir, dass extreme Erfahrungen eine stabile Persönlichkeit erzeugen. 

Beschreiben Sie Ihr Projekt in 3 Worten?
Weltrekordversuch – der Erste sein
Gradwanderung
Strecken der Grenzen (Was war bisher möglich und was wird möglich sein?)
 

Seit wann arbeiten Sie an dem Projekt?
Die Materialentwicklung startete 2009. Den 1. Prototyp haben wir 2012 fertiggestellt. Damit überquerte mein Sohn 2 Mal den Atlantik. (Fipofix)

2014 begannen wir mit Projekt ANT ARCTIC LAB und dem Bau der 60 Fuß Yacht. Es dauerte also 6 Jahre von der Idee zum Wasserlassen. 

Mir ist ganz wichtig, dass wir sauber (umweltfreundlich) produzieren. Unser Mitarbeiter benötigen keine Masken oder ähnliches wegen div. Lösungsmittel bei der Produktion. 

Seit wann segeln Sie und wie sind Sie zum Segeln gekommen? (Vom Beamten zum Extremsegler)

Nach meiner Lehre zum Koch/Kellner/Concierge schlug ich eine Beamtenlaufbahn bei den Wiener Verkehrsbetrieben ein. Diese Aufgabe erfüllte mich allerdings nicht und so beschloss ich 1996 Abenteurer zu werden. Gesegelt bin ich bis dahin nur zum Ausgleich am Neusiedlersee. 

Während der ersten Ausfahrt war im klar, dass ich meine Zelte abgebrochen hatte. Es gab keinen Weg zurück. 

Sie sind Extremsegler und Buchautor – Wie passt das zusammen?
Journalismus, Reisen und Fotografie hat mich schon immer interessiert, also war es klar, dass das ein Teil meiner Tätigkeit sein wird. 
Für mich ist ein Buch ein Dokument der Realität. Fehlschläge und Erfolge werden ganz nüchtern dargestellt. 
Außerdem dient Schreiben und Filmen auch der Selbstreflexion. 

Welche Message wollen Sie vermitteln? Was sind die wichtigsten Eckdaten?
Zukunftsweisende Produkte sind von ihrer Qualität und Funktionalität besser als bestehende. 
Wir können problemlos „hight end quality“wesentlich sauberer bauen und dennoch einen guten/fairen Preis für die Kunden erzielen. 

Sie verwenden nur Robline Katalog-Seile – welche und wofür?
Wir verwenden hauptsächlich Seile aus der Performance Serie. Admiral 10000 und Admiral Pro für Schoten und Trimmleinen. Für Runner verwenden wir SK 78 gemantelt und ungemantelt. Admiral 3000 und Admiral Pro Plus für die Trimmleinen der Daggerboards. 

Wir wollten beweisen, dass die bestehenden Produkte qualitativ hochwertig und langlebig sind.

Nach 9000 Seemeilen mit dem Material sind wir sehr zufrieden damit. Aus meiner Sicht schlägt sich ein Investment in Qualität auch in besserer Performance nieder.

Haben Sie ein Lieblingsseil?
Admiral Pro ist vom Handling sehr angenehm und passt super zum Design meiner Yacht. 

Was sind die größten Belastungen für die Seile?
Eindeutig die Lastwechsel. Auch bei wenig Seegang entstehen hohe Belastungen. Auf dem gesamten Törn kommen ca. 17 Millionen Lastwechsel auf das Material zu. 

Wie bereiten Sie sich persönlich auf die großen Belastungen vor? (Mental, Physisch, Hitze, extreme Kälte, Schlafentzug)
Immer möglichst schnell den inneren Schweinehund überwinden. Arbeit die man erkennt sofort zu tun, auch wenn es nachts ist und man müde ist. 

Was wird Ihnen am meiste fehlen, wenn Sie unterwegs sind? Haben Sie jemals Angst ganz alleine auf See zu sein?
Eine gewisse unterschwellige Angst ist was notwendig für die Aufmerksamkeit. 

Es fehlt nie relaxen zu können, weil man immer psychisch unter Druck steht. 

Wie kann man das Segeln ökologischer machen (umweltfreundlicher)?
Es muss in der Masse ein gemäßigtes Umdenken stattfinden.

Wir verwenden für unsere Yachten ausschließlich umweltfreundliche und  Materialien wie die Vulkanfaser. 

Außerdem kaufen wir Yachten oder Materialien zurück wenn sie am Ende der Lebensdauer angekommen sind und wiederverwenden diese.
 

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